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In der Praxis zählt Einfühlungsvermögen

171201 Altenpflegeschüler01.12.2017. Zwei Altenpflegeschüler der Johanniter in Oldenburg berichten aus der Praxis ihrer dreijährigen Ausbildung.


Frühschicht. Zehn vor sechs geht es los. Erst die Tour anschauen und dann das Auto packen. Dann ist Altenpflegeschüler Jonas Küllig bereit, auf seine morgendliche Pflegerunde zu starten. Seit August absolviert er die Ausbildung zum Altenpfleger an der ev. Altenpflegeschule in Oldenburg und gibt regelmäßig Einblick in seine Ausbildung. Derzeit ist er in der Praxis. Die praktische Ausbildung findet für Küllig bei den Johannitern in Oldenburg statt.

Nur wenig später - um 6.15 Uhr - startet auch Jessica Wilk in ihren Dienst im Wichernstift in Ganderkesee. Dort absolviert die Delmenhorsterin, die die Altenpflegeschule in Delmenhorst besucht, ihren praktischen Teil der Ausbildung auf einer Station für Demenzerkrankte. Ihr Tag beginnt mit der Übergabe von der Nachtschicht. Anschließend geht es direkt in die Pflege. Aufstehen helfen, duschen, waschen, anziehen, Zähne putzen, kämmen und frisieren, das sind die typischen Aufgaben in der Frühschicht. "Bei Bettlägerigen Klienten ist die Arbeit natürlich intensiver", erzählt der Küllig. Und er gibt zu: "Die Arbeit in der Pflege kostet viel Kraft." Nur um gleich zu ergänzen: "Es macht aber auch viel Spaß." Denn während der Pflege bleibt immer Zeit für kurze Gespräche mit den Klienten.

Diese Gespräche schätzt auch Wilk sehr. "Gerade, wenn es einem der Bewohner nicht so gut geht, versuche ich mir Zeit zu nehmen", erzählt sie. Überhaupt ist es ihr sehr wichtig, jeden Bewohner ganz individuell zu sehen. "Jeder Bewohner braucht eine andere Pflege. Das haben wir schon in der Schule gelernt. Und auch mein Anleiter sagt mir das immer wieder." Das könne sich an ganz kleinen Dingen festmachen, erzählt Wilk. Einer Bewohnerin ist es zum Beispiel sehr wichtig, dass ihre Haare morgens schön frisiert sind.

Doch egal wie gut die Chemie zwischen Klient und Pfleger stimmt. "Das Verhältnis muss immer professionell bleiben", betont Kuellig. Dazu gehört für ihn auch absolute Ehrlichkeit. "Auch wenn es dem Klienten vielleicht nicht gefällt, wenn Tabletten nicht regelmäßig genug genommen werden, dann muss ich das klar und deutlich ansprechen. Es geht schließlich um die Gesundheit."

Wilk und Küllig übernehmen beide schon Verantwortung. Küllig fährt mittlerweile schon alleine auf Touren. "Ich lerne die neuen Klienten aber immer gemeinsam mit einem erfahrenen Kollegen kennen. Und wenn ich mir unsicher bin, kann ich immer meinen Anleiter oder Kollegen um Rat fragen", erzählt er. Auch Wilk, die in der Pflege ebenfalls schon allein unterwegs ist, kann jederzeit ihren Anleiter um Unterstützung bitten. Und beide wissen, in den nächsten Jahren werden sie noch mehr Neues lernen und noch mehr Verantwortung übernehmen.

"Die Tage in der Pflege sind anstrengend. Manchmal ist man danach einfach nur erledigt." Dass erzählen sowohl Wilk als auch Küllig. Doch kein Tag ist wie der andere und die Menschen, mit denen sie jeden Tag zu tun haben sind jeder für sich besonders. "Das macht diesen Beruf so schön."

Dennoch sei es eine Herausforderung, sich auf jeden Klienten neu einzustellen, erzählt Küllig. Demenz, Parkinson oder MS, die Gründe für die Pflegenotwendigkeit sind unterschiedlich. "Mir ist es wichtig, immer einen Weg zu den Menschen zu finden. Das ist manchmal einfach. Manchmal braucht es auch Tipps von Kollegen, die denjenigen und seine Bedürfnisse schon länger kennen", berichtet Küllig. Wilk erlebt bei ihrer Arbeit auf der Demenzstation, wie wichtig Geduld und Einfühlungsvermögen sind. Das Lächeln der Patienten ist ihr dann eigentlich Dank genug.

Quelle: Website Diakonisches Werk im Oldenburger Land

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