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Den Pflegenden eine Stimme geben

181010 Annelie Keil10.10.2018. "Wenn das Leben um Hilfe ruft – Angehörige zwischen Pflichtgefühl, Hingabe und Verzweiflung" heißt das jüngste Buch der Bremer Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Dr. Annelie Keil.

"Vom ersten Atemzug bis zum Tod sind Menschen auf Berührung, Liebe, Hilfe und Zuwendung angewiesen. Jeder von uns ist gewissermaßen lebenslang pflegebedürftig", sagt Annelie Keil. "Wenn jedoch Krankheit, Behinderung, Gebrechlichkeit oder Demenz in den Alltag einziehen, bleiben die Angehörigen meist ungefragt mit einer enormen Belastung zurück – überfordert, übersehen und allein gelassen."

Doch wer interessiert sich für Pflegende? "Pflege geht jeden etwas an und zugleich benötigen wir öffentliche, nachbarschaftliche und zivilgesellschaftliche Hilfe", sagt Annelie Keil. Pflegeberufe müssten erheblich besser bezahlt werden und einen Imagewandel erfahren. Nur so lässt sich ihrer Ansicht nach der Pflegenotstand minimieren. "Wir wissen alle nicht, was in unserer Kiste Leben steckt. Werden wir ein Pflegefall oder ein Pflegender sein oder vielleicht sogar beides. Sich rechtzeitig dem Thema mit all seinen Facetten zu stellen, lohnt sich immer", ist Annelie Keil überzeugt.

Annelie Kiel hatte auf Einladung des DemenzNetzes Oldenburg und der Demenz-Informations- und Koordinationsstelle Oldenburg (DIKO) in Oldenburg vor ausverkauften Haus in der Limonadenfabrik aus ihrem Buch gelesen.

Doch wie gehen Betroffene damit um, wenn Herr Alzheimer in die Beziehung einzieht und man plötzlich zu dritt ist? Und ist tatsächlich die Schwiegertochter zuständig, wenn die demente Mutter gepflegt werden muss? Wie verändern sich Beziehungen, wenn einer gebrechlich oder gar krank wird? All diese und viele weitere Fragen stehen im Raum und fordern die Betroffenen heraus, verlangen von ihnen Entscheidungen und in der Regel veränderte Verhaltensweisen.

Eines wurde während der Lesung deutlich: Es ist sinnvoll, sich frühzeitig mit der Thematik zu befassen - unabhängig davon, ob man davon betroffen sein könnte oder nicht. Frau Kiels Buch sensibilisiert und eröffnet die Chance, sich dem Thema zu nähern, Pflegende anders wahrzunehmen und ihnen vor allem mit großem Respekt zu begegnen. Denn was sie täglich und zum Teil über lange Zeiträume leisten, fordert nicht nur unsere Anerkennung sondern auch gesellschaftliche Unterstützung.

Annelie Keil ist in der Lage, differenziert und unerschrocken all diese Fragen zu erörtern und jenen Hilfestellung und Verständnis entgegenzubringen, die von der Problematik betroffen sind. Das ist eine wachsende Zahl von Menschen, die teilweise an den Rand der Verzweiflung getrieben werden. Sowohl den Pflegenden als auch den Gepflegten ermuntert sie dazu, vernünftig miteinander umzugehen und im ständigen Dialog zu bleiben, Wachheit gegenüber sich selbst und dem anderen zu bewahren und sich darüber bewusst zu werden, was wir denken, fühlen, wünschen und zu leisten im Stande sind.

Quelle: Pressemitteilung DemenzNetzes Oldenburg



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