Was passiert, wenn ein humanoider Roboter plötzlich im Aufenthaltsraum eines Seniorenheims steht, Geschichten erzählt, Lieder anstimmt oder zu kleinen Bewegungsübungen einlädt? Genau das untersucht das OFFIS – Institut für Informatik in mehreren Studien mit dem Roboter Ameca.
Ameca sieht auf den ersten Blick ungewöhnlich aus: ein künstlicher Mensch mit Gesicht, Augen und Händen, der sprechen, zuhören und reagieren kann. Entwickelt wurde er in Großbritannien, doch seit einiger Zeit ist er auch in Pflegeeinrichtungen im Nordwesten Deutschlands im Einsatz. Die Forschenden von OFFIS möchten herausfinden, wie ältere Menschen auf einen solchen „digitalen Gesprächspartner“ reagieren – und ob er den Alltag im Heim bereichern kann.
In einer Pilotstudie besuchte Ameca mehrere Tage lang ein Seniorenheim. Dort las er Geschichten vor, mal mit deutlicher Mimik, mal ganz ruhig, und kam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ins Gespräch. Viele reagierten neugierig, hörten aufmerksam zu und beschrieben die Begegnung als interessant und angenehm – auch wenn sie zunächst ungewohnt war.
Bei einem weiteren Einsatz, unter anderem im Wichernstift Ganderkesee, wurde Ameca einer größeren Gruppe vorgestellt. Gemeinsam wurde gesungen, gelacht und sogar eine kurze Sitzgymnastik ausprobiert. Dabei ging es weniger um sportliche Leistung als um Aktivierung und gemeinsames Erleben. Die Forschenden beobachteten genau, wie die Bewohnerinnen und Bewohner reagierten: Wer machte mit? Wer stellte Fragen? Und wie fühlte sich die Begegnung an?
Wichtig ist den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eines ganz besonders: Roboter wie Ameca sollen keine Pflegekräfte ersetzen. Vielmehr sehen sie ihn als Ergänzung – etwa für Gespräche, Vorlesen oder kleine Aktivierungsangebote. Menschliche Nähe, Vertrauen und persönliche Zuwendung bleiben unersetzlich.
Die Studien zeigen: Viele ältere Menschen sind offen für neue Technik, wenn sie respektvoll eingesetzt wird und Freude bereitet. Für OFFIS ist Ameca deshalb vor allem eines – ein Forschungswerkzeug, um besser zu verstehen, wie Technik den Alltag im Alter unterstützen kann, ohne den Menschen aus dem Mittelpunkt zu nehmen.
Quelle: Website OFFIS Oldenburg

